Wenn nur die Jugend zählt

Der Sturz der Landesvorsitzenden der Jungen Union Bayerns Katrin Albsteiger beweist, dass das niedrige biologische Alter für die Reformpolitik  allein nicht ausreicht

Die aufsteigende CSU-Politikerin Katrin Albsteiger konnte sich weder die Unterstützung der JU Bayerns sichern, noch ihre politischen Prinzipien verteidigen (http://www.augsburger-allgemeine.de/img/neu-ulm/crop20119586/7707214797-ctopTeaser/JU-Albsteiger-Katrin137.jpg )

Die aufsteigende CSU-Politikerin Katrin Albsteiger konnte sich weder die Unterstützung der JU Bayerns sichern, noch ihre politischen Prinzipien verteidigen

Fast alle Parteien sind stolz über ihre Nachwuchskräfte und sehen in ihnen für die Zukunft eine erfolgreiche Führungselite. Viele Bürger finden die parteiliche Personalerneuerung auch positiv und hoffen, dass die junge Politikergeneration für einen neuen Führungsstil, neue Ideen und mehr Reformen stehen wird – damit die Politikverdrossenheit in der Gesellschaft schrumpft. Doch die meisten Erwartungen sind unberechtigt. Gerade diese Nachwuchspolitiker erweisen sich mehrmals als abgeschliffene treue Parteisoldaten, denen eine ruhige Karriere lieber ist, als innovative Inhalte.

Die Unionspolitikerin Katrin Albsteiger passt perfekt in dieses Schema. Noch vor zwei Jahren als eine erfolgreiche Jungpolitikerin vermarktet, musste sie in letzten Tagen einen herben Rückschlag einstecken. Nicht freiwillig zog sie ihre Kandidatur bei der Wiederwahl als Landesvorsitzende der bayerischen JU zurück. Die junge Wilde wurde von eigenen Bezirksverbänden ausgebremst. Als der wesentliche Grund galt ihre egoistische Karriereorientiertheit, ohne jegliche Rücksicht auf die eigenen Parteifreunde.

Die politische Bilanz der jungen Christdemokratin war ziemlich umstritten. Am Anfang ihrer Karriere fuhr sie noch einen rebellischen Kurs gegenüber der Parteispitze, indem sie die in der CSU durchgesetzte Frauenquote unverblümt kritisierte. Bei der bayerischen Sozialministerin Christine Haderthauer bemängelte sie häufig die unsensible Jugendpolitik und fürchtete eine Benachteiligung der jungen Generation. Als Albsteiger im Jahr 2011 zur Landesvorsitzenden der Nachwuchsorganisation gewählt wurde, hat sie, damals keine Berufspolitikerin, versprochen, die ehrenamtliche Mitarbeit in der JU zu stärken.

Doch Macht macht vergesslich. Kurz vor dem Bundestagswahlkampf schrieb Albsteiger den Gastartikel „Es geht uns gut!“ Darin griff die Politikerin nicht nur die Piratenpartei, Stimme der Protestwähler und jungen Erwachsenen, scharf an, sondern auch ihre eigene Generation:  Die „Alles-ist-schlecht“-Stimmung deutscher Jugendlicher sei, verglichen mit den Problemen Gleichaltriger in Südeuropa, „einigermaßen albern“. Zudem warf sie der Jugend politische und berufliche Passivität vor:  „Gegen verschuldete öffentliche Haushalte hilft kein Frust-Twittern“, schrieb Albsteiger und dass die Sorgen der sogenannten „Generation Praktikum“,  keinen festen Job, sondern nur noch unbezahlte Praktika zu finden, aus dem Reich der Fantasie stammen. Kurzum vertritt Albsteiger in dem Artikel eine 180 Grad-Wendung zu ihren eigenen früheren Thesen.

Natürlich ist es nicht verkehrt, sich der etablierten Parteilinie anzuschließen. Die Zeit war einfach nicht günstig für eine Konfrontation mit den dienstälteren Parteimitgliedern. Doch die aktuelle Studie der britischen Regierung, laut der Mittelschichtskinder ärmer als ihre Elterngeneration werden, deuten auf eine nicht so positive Entwicklung, wie sie Albsteiger neulich beschreibt. Als Grund der Verarmung gilt in der Studie nicht die Passivität der Jugend, sondern eine Kombination aus großen Schulden und unsicheren Arbeitsverhältnissen. Diese Tendenz ist auch in Deutschland klar vorherzusehen, allerdings mag Albsteiger sie übersehen.

Die Christdemokratin hat aber noch weitere Grenzen überschritten. Noch in diesem Jahr hat sie den Einzug in ein parlamentarisches Gremium der ehrenamtlichen Mitarbeit bevorzugt. Um den Berufseinstieg zu erleichtern, hat sie sich letztendlich nicht für den Bayerischen Landtag beworben, sondern sich kurzfristig für eine aussichtsreichere Bundestagskandidatur entschieden. So hat sie manche rangniedrigeren Parteikollegen verdrängt und viele Mitstreitern der Jungen Union gegen sich aufgebracht.

Die in den Medien bundesweit präsente Albsteiger konnte bisher davon wenig überzeugen, dass sie eine entschiedene Reformpolitik anstrebt. Die bekannten Parteipositionen mit ein bisschen jugendlicher Schärfe wiederholen ist noch längst keine Erneuerung der Politik. Vielleicht kann man Frau Albsteiger nicht aberkennen, dass auf ihre Initiative viele junge Politiker in den Bundestag und in den Bayerischen Landtag eingezogen sind, das besagt aber noch nichts von deren politischer Qualität.

Als Bundestagsabgeordnete bleibt Katrin Albsteiger gut aufgehoben. Sogar der Posten der Vizevorsitzenden im Bundesvorstand der JU wird ihr in Aussicht gestellt. Als eine Politikerin mit der Absicht, sich für die junge Generation flächendeckend einzusetzen und so die Politik zu reformieren, ist sie aber klar gescheitert. Die Menschen müssen täglich machtbewussten Politikveteranen zusehen, ihre jüngeren Klone sind daher nicht erwünscht. Trotz des biologischen Alters.

(Beitrag wurde in Zusammenarbeit mit Romy Ebert angefertigt)

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